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Vorstellung : Die Geschichte
Die Geschichte

Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts fanden evangelische Gottesdienste in privatem Umfeld statt. Am 10.Oktober 1850 konnte endlich unter strengen Regierungsauflagen - und unter Aufsicht eines misstrauischen Polizeibeamten - von ein paar hundert Gläubigen der erste Vorsitzende der Gemeinde gewählt werden. Das Motto der Gemeinde lautete: Ubi spiritus, ibi libertas („Wo der Geist herrscht, dort ist Freiheit.") Der erste Pfarrer kam aus Chur (Schweiz) und musste drei Sprachen beherrschen: Italienisch, Deutsch und Französisch. Die Chiesa Cristiana Protestante ist damit die älteste christliche Gemeinde in der Stadt Mailand, die nicht zur Römisch-katholischen Kirche gehört.

Die Gründung wurde möglich durch den Einfluss der deutschstämmigen Familie Mylius aus Mailand, die über gute Kontakte zum Wiener Hof verfügte. Der reiche protestantische Bankier Heinrich Mylius, ein Freund von Alessandro Manzoni wie einst von Johann Wolfgang Goethe, hatte sich durch Stiftungen von Sozialeinrichtungen den Ruf eines Mäzens erworben. Seine Besitzungen am Comer See, die auf die Familie Vigoni übergingen, bilden heute die Grundlage des deutsch-italienischen Wissenschaftszentrums „Villa Vigoni" in Loveno bei Menaggio.

Die Mailänder Gemeinde baute sich im Jahr 1864 ihre Kirche in einem die lombardische Gotik historisierenden Stil. Wie schon zur Zeit der Gründung der Chiesa Cristiana Protestante in Milano bilden vor allem Selbständige, Kaufleute und Angestellte die Basis der Gemeinde. Es sind nach wie vor Menschen aus deutschen und Schweizer Kulturkreisen, die aber meist in Mailand und in der Lombardei ihren Lebensmittelpunkt gefunden haben. Dazu kommen immer mehr gebürtige Italiener, so dass die Gemeinde heute als zweisprachig und europäisch gelten kann.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges hat sich die Gemeinde in eine mehrheitlich lutherische und in eine kleine Schweizer reformierte Gruppe geteilt, die aber unter einem gemeinsamen Kirchenvorstand vereint blieb. 1992 haben sich die beiden Gemeinden wieder zu einer einzigen Gemeinde mit einem lutherischen und einem reformierten Pfarramt vereint. Die Chiesa Cristiana Protestante ist Mitglied der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien.

Die Gemeinde steht seit Jahrzehnten mit der katholischen Kirche im Dialog und zählt zu den Gründungsmitgliedern des ökumenischen Kirchenrats von Mailand. Bei den Feierlichkeiten zum 150 jährigen Jubiläum der Gemeinde begegneten sich beim Festakt der Präsident des Lutherischen Weltbundes, Bischof Christian Krause, der Mailänder Erzbischof, Kardinal Carlo Maria Martini, und der Bürgermeister der Stadt Mailand, Gabriele Albertini.



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